Auswärtsfahrt nach Dresden (02.04.94)

Als eher riskante Unternehmung ist uns der Trip nach Dresden in Erinnerung geblieben. Ein Gutes hatte es für unsere drei Auswärtsfahrer Charly, Toni und Matze: So etwas schweißt enorm zusammen...
 
Am Morgen noch schnell mit einem Kaffee gegen die Bierchen vom Vortag angekämpft, Matzes silber-rostbraunen Golf mit Verpflegung vollgepackt und los ging's in den "wilden Osten". Wer die A9 und die A4 in den Jahren nach der Wende kennengelernt hat, weiß, welchen Fahrspaß diese Reise mit sich brachte. Unserer Stimmung tat diese Baustellen-Tournee aber keinen Abbruch - genauso wenig wie die mysteriöse Beschilderung der Strecke: DDR-Kilometer waren offenbar irgendwie anders geeicht als die Westdeutschen...

In Dresden angekommen, erreichten wir wohlbehalten den Gästeblock. Dort durften wir erleben, wie uns Dynamo-Präsident Otto - der später für einige Jahre weggesperrt wurde - zuerst beschimpfte und sich anschließend in Siegerpose vor dem FCN-Block aufstellte. Das steigerte die Stimmung natürlich enorm, zumindest bei denjenigen Clubfans, die Zeit hatten, auf den Dynamo-Chef zu achten. Die Mehrzahl war eher damit beschäftigt, den Leuchtraketen auszuweichen, die im Minutentakt aus der Dresdner Fankurve angeflogen kamen.

Wenigstens verlief das Spiel nicht ganz erfolglos - das 1:1 war für den Club kein schlechtes Ergebnis, änderte am Abstieg zum Saisonende aber leider auch nichts.

  Nicht minder lustig gestaltete sich unsere Rückfahrt. Bei einem Tankstopp rammte ein gewisses Fanclub-Mitglied den Zapfhahn so schwungvoll in die Tanköffnung unseres Wagens, dass der rostige Einfüllstutzen durchbrach und der Sprit überall hin, nur nicht in den Tank floss.

Diese Szene ist dann auch in die Annalen unseres Fanclubs eingegangen: Ein Golf an einer Tankstelle, irgendwo im Nirgendwo zwischen Dresden und Chemnitz, der in einer riesigen Benzinpfütze steht; Charly und Toni, die freundlich lächelnd daneben warten; Matze, der - sein gerade gekauftes Vesper mampfend - aus der Raststätte kommt und die bizarre Szene völlig entgeistert anstiert; und nochmal Charly, der einen Spruch ablässt wie "Alles net so schlimm, jetzt brauch' mer bloß einen neuen Tankstutzen für Deinen Golf und schon geht's weiter..."

Nachdem wir eine Lösung improvisiert hatten, stand unserer Rückreise endgültig nichts mehr im Wege. Weitere Schwierigkeiten gab's nicht zu vermelden (abgesehen von einem kurzen Nickerchen, das sich Fahrer Matze bei Tempo 120 auf der Autobahn vergönnte), und so kamen wir zu später Stunde unversehrt zu Hause an.

FENSTER SCHLIEßEN