DFB-Pokalfinale (26.05.07)

(jb) "Der Kristiansen schießt nie a Tor für'n Glubb" - so Jens' enttäuschte Aussage Mitte der zweiten Halbzeit des Pokalfinales zwischen dem Deutschen Meister VfB Stuttgart (die herzlichsten Glückwünsche hierfür von uns an den Neckar) und dem 1.FCN nach einer erneut vergebenen Chance des Dänen. Aber das Schöne an unserer Lieblingssportart ist, dass selbst Experten und "Fußballpraktikanten" sowieso mit ihren Prognosen immer wieder daneben liegen. So blieb es genau jenem Jan Kristiansen vorbehalten, den entscheidenden Treffer zum ersten Pokalsieg des 1.FC Nürnberg nach 45 Jahren zu erzielen, das 3:2 in der Verlängerung (109.). Es ist ihm zu gönnen, dem stets rackernden aber eben im Abschluss bisher unglücklichen Mittefeldspieler, dass er sich sein erstes Pflichtspieltor für den FCN dafür aufgehoben hatte, um damit Geschichte zu schreiben. Aber drehen wir kurz die Zeit bis einige Stunden vor dem Anpfiff zurück:
Schon auf der A9 Richtung Hauptstadt sah man fast nur fränkische Autos, jedes war mindestens mit rot-schwarzer Fahne, Glubbschals oder Pokalattrappen geschmückt. Auf dem Weg auch die Nesties Susi, Charly, Matze, Toni, Kai und Jens, seit Tagen aufgeregt wie schon vorm erfolgreichen Halbfinale gegen Eintracht Frankfurt (4:0). In Berlin bot sich dann ein wunderschönes Bild: Rot-schwarz regierte nicht nur rund um den Reichstag und das Kanzleramt, nein auch das Brandenburger Tor und die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und nicht zuletzt die Siegessäule waren überwiegend in Nürnberger Hand. Zugegeben, das mag an dem längeren Anreiseweg der Schwaben gelegen haben. Aber spätestens im Olympiastadion führten die fränkischen Anhänger schon vor Anpfiff 1:0. Zahlenmäßig hier zwar etwa gleichstark vertreten, war die Choreographie der Ultras Nürnberg ("Auch in 39 Jahren ohne Titel waren wir stets stolz und treu! Aber wenn wir schon einmal in Berlin sind, nehmen wir den Pokal halt mit!") einfach gigantisch schön. Die Fans des Deutschen Meisters hingegen beschränkten sich auf das Schwenken der kostenlos von der ARD verteilten Fähnchen.
Nach Ertönen der beiden Vereins- und der Deutschen Nationalhymne(n) begann das Finale ohne großes Abtasten furios mit den besseren, wenn auch nicht zwingenden Chancen für den Glubb. Fast aus dem Nichts traf der Ex-Nürnberger Cacau dann zum 1:0 für den VfB (20.). Aber der Glubb zeigte sich unbeeindruckt und schlug wenig später nach einer Stuttgarter Ecke per Konter eiskalt zurück: Dominik Reinhardt flankte perfekt und in der Mitte war das "Phantom" zur Stelle: Marek Mintal netzte ungedeckt aus kürzester Entfernung zum Ausgleich ein (27.). Riesenjubel und ein wieder völlig offenes Spiel. Dann begann jedoch die häßlichste Phase von Stuttgarter Seite. Erst boxte Cacau im Laufduell Andy Wolf in den Magen und bekam folgerichtig für diese Tätlichkeit die rote Karte (31.) Dann trat Meira Marek Mintal brutal um und sah nur Gelb, Rot wäre hier zwingend gewesen. Marek Mintal musste mit Verdacht auf Innenbandanriß unter Tränen vom Platz getragen und durch Jan Polak ersetzt werden (35.). Nach dieser Aufregung (gute halbe Stunde gespielt, 1:1, beide Torschützen schon nicht mehr auf dem Platz) beruhigten sich die Emotionen und auch das Spiel wieder. Erst kurz vor dem Pausentee hatte Kristiansen die Gelegenheit zum 2:1, lief aus halblinker Position auf's Tor zu, doch Hildebrand klärte außerhalb des Strafraums mit dem Fuß.
Aber gleich nach dem Wechsel ging es wieder rund: Marco Engelhardt erzielte mit einem Kopfballaufsetzer das 2:1 (47.). Das erste Tor für den Glubb im Anschluß an eine Ecke nach ewig langer Zeit! Mit einem Tor und einem Feldspieler in Front, lagen nun alle Trümpfe auf Seiten des FCN. Hier begannen die Spieler wohl etwas nachzudenken, denn statt weiter mit vollem Druck nach vorne zu spielen und auf den entscheidenden Treffer zu drängen, zogen sie sich wie schon in manch anderem Spiel immer wieder zurück bzw. schlossen vielversprechende Situationen überhastet ab. Das ist aber auch das Einzige, was man an diesem Abend bemängeln konnte. Es rächte sich jedoch zunächst. Raphael Schäfer wollte dem in den Strafraum eingedrungen Gomez den Ball abnehmen. Zuspät bemerkte er, dass dies nicht mehr nötig war, da sich Gomez den Ball wohl zu weit vorgelegt hatte. Trotz angezogener Beine rutsche Schäfer auf dem nassen Rasen in den Stuttgarter Torjäger und Schiedsrichter Weiner pfiff Elfmeter. Diesen verwandelte Pardo sicher zum erneuten Ausgleich (80.). Die Schwaben witterten Morgenluft und drängten nun trotz Unterzahl auf den Sieg in der regulären Spielzeit, den ihr zukünftiger Torhüter Raphael Schäfer aber mit zwei tollen Paraden verhinderte.
Somit gab es Verlängerung. Die erste für Stuttgart, aber schon die vierte für Nürnberg im laufenden Wettbewerb. Nur gegen Cloppenburg und Frankfurt reichten 90 Minuten zum Sieg. Die erste Hälfte war weiterhin spannend aber ohne großen Chancen auf beiden Seiten. Dafür fiel der Blick auf die Aschenbahn: "Elfmeter-Killer" Daniel Klewer machte sich warm. Er durfte sich kurze Zeit später wieder hinsetzen, als Jan Kristiansen sich mit seinem Treffer zumindest für alle Glubbfans unvergesslich gemacht hatte. Die restlichen zehn Minuten der Verlängerung überstand der Glubb dann ohne großes Zittern, Stuttgart war am Boden. Nürnberg hingegen oben auf und um 22 Uhr 33 brachen auf dem Rasen und den Rängen alle Dämme.

FENSTER SCHLIEßEN